texte
(erschienen bei www.faz.net)
ANTI-AGING(I)
Wie wird man schneller alt?
Wie bitte? Wer will denn schneller alt werden?
Die Frage scheint berechtigt, aber Denken und Handeln sind nicht immer im Einklang. Das Denken: „Ich will alt WERDEN, aber nicht alt SEIN – sprich, faltenfrei & fit & überhaupt wie `ne 17jährige bleiben für alle Zeit, die ich auf Erden habe.“ Das Handeln: zielt oft ins Gegenteil.
Altsein ist nichts für Weicheier – sinngemäß zitiert nach Mae West. Da ist was dran. Deshalb wäre es grundsätzlich intelligenter, statt nach glatter Haut und schlanker Taille zu streben, langfristig nach innen zu schauen, sich um die eigene Persönlichkeit zu kümmern und Geist und Seele zu füttern, unter anderem mit erfüllendem Tun. Dann ist man vermutlich mit 60 nicht besonders traurig darüber, nicht mehr 20 zu sein. Sich abzufinden mit Unabänderlichem ist aber unsere Sache nicht, die wir im 3. Jahrtausend leben. Trotzdem sollten auch die, die den Anti-Aging-Kult um jeden Preis mitmachen wollen, mal einen Moment nachdenken. Denn vor dem Anti-Aging kommt das Aging – und bevor wir was fürs Jungbleiben TUN, sollten wir dazu erstmal Einiges LASSEN:
- Wir essen zu viel und falsch – zu viel Fettes, zu viel Süßes, zu viel Fleisch – und wir essen hastig und unregelmäßig. Dass das ungesund ist, weiß jeder. Und was ungesund ist, belastet den Körper und den Stoffwechsel – auf die Dauer wird man davon schneller alt.
- Wir trinken (zu viel) Alkohol: Über die inneren und äußeren Wirkungen von Alkohol weiß jeder Bescheid - oder kennen Sie einen jugendlich-straffen Alkoholiker?
- Wir trinken zu wenig Nicht-Alkoholisches: Der Körper braucht für seine Funktionen viel Flüssigkeit. Die Haut trocknet aus, wenn von innen nicht genug Wasser in die Zellen kommt (da hilft auch die teuerste Feuchtigkeitscreme von außen nichts!). Wem Schönheit und Gesundheit egal sind, sollte wissen: auch im Hirn läuft nichts ohne ausreichend Flüssigkeit.
- Wir rauchen: Nikotin macht die Haut fahl und faltig, weil sie schlechter durchblutet wird. Die übrigen Risiken des Rauchens sind sattsam bekannt.
Wir bewegen uns nicht genug: Viele Jobs bedeuten langes Sitzen; dauerhaft schlechte Durchblutung führt zu Gefäßleiden, Cellulite und Krampfadern. Auch Couch-Potatoes rosten ein, der Stoffwechsel schnarcht vor sich hin, der Fettanteil nimmt zu, dafür schwinden die Muskeln – wir geraten aus der Form.
- Wir Frauen tragen die falschen Schuhe: Hohe Hacken sind vielleicht optisch sexy, halten den Fuß aber in einer gestreckten Stellung. Dabei wird der wichtigste Muskel in der Wade, der bei jeder Streckung den Lymphfluss fördert, nicht mehr beansprucht. Sehr gut für - nicht gegen! - Cellulite und Krampfadern.
- Wir legen uns zu oft in die Sonne: Die Bräune geht bald wieder, dafür kommen die Falten schneller - vom Krebsrisiko mal abgesehen. Nein, auch das Solarium ist nicht „gesünder“!
- Wir lesen zu wenig: Bildung ist Anti-Aging. Wissenschaftler der Harvard-Universität haben in einer jahrzehntelangen Studie beobachtet, dass auch der Bildungsgrad beim Altern eine Rolle spielt: Einkommensschwache Einwohner der Stadt Harvard waren danach mit 65 Jahren bereits so stark gealtert wie der durchschnittliche Harvard-Absolvent mit 75. Wer unter den ärmeren Harvard-Einwohnern jedoch eine gute Schulbildung genossen hatte, erreichte bei der Studie im Durchschnitt das Lebensalter der Universitätsangehörigen. Daraus schließen die Forscher: Nicht das Einkommen, sondern vor allem das Bildungsniveau wirkt sich auf den Alterungsprozess aus.
(erschienen bei FAZ.NET)
Wie neu ins Neue Jahr (I)
Die guten Vorsätze: so machen sie Sinn
Die allerletzte Zigarette um 23.57 Uhr – das allerletzte Stamperl Hochprozentiges um 23.58 Uhr – und um Null Uhr mindestens siebzehn Eide für ein besseres, gesünderes, sinnvolleres und überhaupt ein ganz anderes Leben!
So ein Schmarrn. Wer 364,99 Tage des auslaufenden Jahres mehr oder weniger das Gegenteil von dem getan hat, was er dann kurz vor knapp zu ändern sich schwört, und zwar alles auf einmal, kann es schlicht vergessen. Selbstüberfrachtung führt garantiert zum Scheitern. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es – ein blitzgescheiter, leider kaum verstandener, trotzdem bis zum Überdruss zitierter Vers von Erich Kästner, der hierher passt: nehmen Sie sich nicht vor, versprechen Sie nicht, schwören Sie nicht, tun Sie einfach. Und zwar rechtzeitig, also lange vor Silvester.
Beginnen Sie beim Grundsätzlichen. Warum so viele Fluppen? Wozu die ständigen Drinks? Weshalb die verdammte Bequemlichkeit auf der Couch? Vermutlich gibt es eine relativ einfache Antwort: verkehrte Gewichtung. Wir nehmen Leistung, Vorwärtskommen, materielle Ziele und soziale Position so viel wichtiger als alles, was wir, immerhin in der Theorie, als die wahren Werte erkennen (nämlich das eigene Wohlbefinden und das soziale Miteinander mit Partner, Kindern und Freunden), dass wir unter permanentem Stress stehen. Dabei können wir uns zwar selbst reinlegen (also das, was wir unser Bewusstsein nennen), aber nicht Körper und Seele. Die reagieren jeweils unverblümt und fordern ein, was ihnen fehlt. Und wir reagieren statt mit Aufmerksamkeit für uns selber mit Ersatz oder mit Ignoranz, und beides macht das Ganze nur noch schlimmer. Netter Kreislauf, das!
Wie kommt man raus? Nicht in der Silvesternacht von 2001 auf 2002, von einer Minute auf die andere. Aber in vielen einzelnen, millimeterkurzen Schritten schon - und die Millimeter sind jeder für sich genommen einfach zu verwirklichen, läppern sich aber nach und nach und führen dazu, dass man am 31.12. ein schönes Stück weiter ist und milde über die anderen Hektiker lächelt, die im Jahreswechsel nach wie vor viel mehr sehen als die eine einsame Sekunde unter Millionen vorherigen und weiteren, die erst mal nichts ist als eine rein abstrakte Veränderung: Der Wechsel der Jahreszahl.
Schöne Reden! Und das Konkrete? Na, Sie haben doch selber ein Gehirn! Aber gut, ein paar Impulse können nicht schaden.
Wir fangen langsam an, ganz langsam: Beobachten Sie sich einfach erstmal bewusst. Stellen Sie den Wecker stets megaknapp? Was ist morgens Ihr erster Gedanke? Ist der Morgen vor dem Abgang zur Arbeit pure, immer gleiche Tempo-Tempo-Routine?
Wenn das Ergebnis Ihrer Selbstbeobachtung relativ erschreckend ist, dann machen Sie hier einen Anfang, zunächst nur an einem einzigen Tag: Stellen Sie den Wecker eine halbe Stunde früher. (Nein – keinen Wecker, lieber ein Radio mit Zeitschaltuhr; diese schrillen Piepser sind was für Barbaren. Und nehmen Sie nicht die volle Stunde als Weckzeit, sonst sind die ungemütlichen Nachrichten das Erste, was Sie morgens hören!) Bleiben Sie ruhig liegen, lauschen Sie der Musik, gähnen Sie ausgiebig, strecken Sie sich im Bett. Ein nettes „Moin, mein Alter!“, zusammen mit einem freundlichen Lächeln, wirkt Wunder auf die Laune.
Lassen Sie den Gedankenschwall, der Sie überfällt – „heute muss ich dies und das und jenes, ojeoje“ - nicht zu. Sagen Sie sich: „Langsam, nicht so schnell; lass mich erstmal wachwerden, ne schöne Tasse Kaffee trinken und in die Zeitung gucken.“ Dann stehen Sie langsam auf und gehen ins Bad.
In Phase II, beim nächsten Versuchstag, vielleicht nächste Woche, fügen Sie ein bisschen Bewegung ein, und zwar nur die, die Ihnen Spaß macht. Dann der Kaffee und die Zeitung, vielleicht eine Banane oder ein kleines Müsli dazu (oder ein größeres Frühstück, wenn Sie morgens schon Hunger haben und noch ein Viertelstündchen zugeben wollen...)
Wenn Sie an diesem Morgen aus dem Haus gehen, sind Sie ein anderer Mensch, versprochen. Und am nächsten Tag nehmen Sie den Stress-Trott von vorher wieder auf – und dann vergleichen Sie mal. Überraschung: So ein Mordseffekt mit ein paar Kniffen und 30 Minuten mehr Zeit...
(Fortsetzung folgt)
(erschienen bei FAZ.NET)
Wie neu ins Neue Jahr (II)
Die guten Vorsätze: So machen sie Sinn
Der Einstieg in den Tag war somit positiv, und damit ist er schon halb gerettet.
Doch kaum ist man aus dem Haus, drohen der frisch errungenen guten Laune Gefahren mannigfach: Ganz gleich, wie man sich zur Arbeit begibt, ob mit dem Auto, mit Bus und Bahn, oder sogar mit dem Fahrrad oder zu Fuß – es WIRD Gründe geben, sich aufzuregen und mit dem Adrenalinspiegel eines Neandertalers, der gerade auf Bärenjagd ist, das Büro zu betreten.
Halt, mein Freund! Wer wird denn gleich in die Luft gehen! – Entgegen der ehemaligen Werbebotschaft, dass nun der Glimmstengel dafür sorgen werde, dass alles wie von selbst geht, lautet unser Versprechen: Die brauchen wir nicht mehr. Denn wir haben ja ein Gehirn! Und eine Psyche mit einer unglaublichen Macht über uns. Das Etappenziel heißt, den Spieß umzudrehen – also auf die Psyche Einfluss auszuüben, anstatt auf das, was uns von außen widerfährt, mit Zigaretten, Alkohol o.Ä. zu antworten.
Solche Kleinigkeiten wie Konfliktsituationen im Straßenverkehr sind ein idealer Einstieg ins entsprechende Psycho-Training. „Weißt Du was“, sagen Sie zu sich selbst, wenn einer Sie nicht einscheren lässt, einer Ihnen im Bus auf die Füße tritt, ein Autofahrer Sie und Ihr Fahrrad rücksichtslos schneidet – „Weißt Du was: Das ist nicht wirklich ein Grund, sich aufzuregen.“ Und dann beginnen Sie mit der sachlichen Beweisführung sich selbst gegenüber, wodurch Sie gleich mal abgelenkt sind und der Adrenalinspiegel von ganz alleine wieder abfällt. „Also: Du nimmst sowas immer persönlich, weshalb Du auch jedes Mal an die Decke gehst. Aber wie kann etwas persönlich gemeint sein, wenn der, der es tut, Dich gar nicht kennt?“ Ihr kluger Einstieg in die Analyse wird Sie verblüffen, und Sie denken darüber nach. Und fahren fort: „Du bist also nicht gemeint. Was ist es dann? Warum verhält sich der Andere so, als hätte er was gegen Dich, obwohl er Dich noch nie gesehen hat?“
Darüber werden Sie dann erstmal ein Weilchen grübeln. Und etwas Wesentliches ist bis hierher bereits erreicht: Der Vorfall selbst ist so gut wie vergessen, den Ärger darüber haben Sie elegant abgefangen.
Theoretisch könnte hier also Schluss sein mit der Übung. Aber damit wäre nicht viel gewonnen, denn so ein Abbruch-Training würde ein-, zweimal noch funktionieren. Aber dann findet Ihre Psyche das langweilig und stellt wieder auf Adrenalin-Produktion um, wenn das nächste Mal „so ein blödes Weib nicht Auto fahren kann!!“ – beziehungsweise eine Verkehrsteilnehmerin Ihnen die Vorfahrt nimmt, was mal passieren kann. Genauer: was IHR mal passieren kann. Und damit nehmen wir den Faden und das Training wieder auf: Der oder die Andere wird, soweit waren wir schon, Sie nicht persönlich meinen, also nicht vorher etwa denken: „Hey, da ist der Meier, dem wollte ich schon lange mal...“
Mag ja sein, antworten Sie sich, aber ist doch egal, ob er/sie mich persönlich meint oder nicht; auf jeden Fall kommen hier Rücksichtslosigkeit, Gedankenlosigkeit oder Dummheit zu meinem Nachteil zum Zuge.
So kann man es zwar sehen, muss man aber nicht. Anders gesagt: Sie haben es selbst in der Hand oder vielmehr im Kopf, ob das Vorkommnis bei Ihnen eine für Sie nachteilige Reaktion auslöst oder nicht. Können Sie sich nicht vorstellen? Aber nur, weil Sie es (noch) nicht gewohnt sind, sich dem archaischen Teils der Psyche nicht einfach auszuliefern, negative Gefühle abzuwehren und so auf eine ganz neue Art für sich und Ihr Innenleben zu sorgen.
Wie ist also die alternative Sicht der Situation? Der Mensch, der Ihnen die Vorfahrt genommen hat, ist auch ein Individuum mit einem komplexen Innen- und Außen-Leben. Warum sie / er nicht aufgepasst hat? Vielleicht wegen irgendwelcher Sorgen. Die hat doch jeder: Ärger mit dem Partner, Probleme mit den Kindern, vor allem mit sich selbst... Oder sie ist übermüdet, oder er hat vor sich hin geträumt, an etwas gedacht, das ihn ablenkte. Kann passieren! Ihnen auch.
Diese Sichtweise soll nichts anderes bringen, als Sie vor Wut, Ärger und Hassgefühlen zu schützen. Denn die „strafen“ nicht etwa die / den Verursacher(in), sondern schaden Ihnen tatsächlich ganz persönlich.
Probieren Sie´s, je öfter, desto besser. Erwarten Sie für den Anfang nicht zu viel von sich; rechnen Sie damit, dass die ersten Versuche in die Hose gehen. Macht nichts – bloß nicht aufgeben Und irgendwann werden Sie es das erste Mal hinkriegen. Der Lohn der Mühe: ein nicht gekanntes Gefühl der Befreiung und das Staunen, dass es auch so geht, und sogar viel besser.
(erschienen bei FAZ.NET)
ANTI-AGING(II)
Haben Männer Wechseljahre?
Was wissen Männer über Hormone? Das männliche heißt Testosteron, das weibliche Östrogen, und der Rest ist sowieso Frauensache, stimmt´s?
Und solange man(n) im Bett ein ganzer Kerl ist, ist doch alles bestens. – Aha. Und was heißt „im Bett ein ganzer Kerl“? Gut, das diskutieren wir ein andermal.
Für diesmal lasst Euch gesagt sein, Jungs: Selbst wenn Ihr alle zeugungsfähig bleibt, bis Euch die Zähne ausfallen - in eine Art Wechseljahre kommt ihr trotzdem. Beim männlichen Geschlecht nennt sich das Klimakterium virile. Vir ist lateinisch und heißt „Mann“. Und was ist ein Klimakterium? Nichts anderes als die zweite wesentliche Zeit der Hormonveränderungen im Leben: die Pubertät ist die Hormon-Hoch-Zeit, im Klimakterium sinkt der Sexualhormonspiegel wieder – beim Mann allerdings längst nicht so dramatisch wie bei der Frau.
„Von Wechseljahren weiß der Kenner, dass sie gefährlich auch für Männer“, dichtete Eugen Roth. Vermutlich meinte er nicht die des eigenen Geschlechts – aber die können in der Tat Probleme machen, nämlich dann, wenn man(n) sie nicht wahrhaben will und glaubt, es sei ein Zeichen von Unmännlichkeit oder gar beginnender Impotenz, dass er eher Lust zum Kuscheln als auf Sex hat, und dass sein bestes Stück ein bisschen mehr Zeit als früher braucht, um hochzukommen. Das ist Quatsch. Der Mann erlebt den ganz normalen Wechsel in eine neue Lebensphase. Die Symptome können denen des weiblichen Klimakteriums ähnlich sein: Schweißausbrüche, verminderte Leistungsfähigkeit und Vitalität – und eben insbesondere weniger Libido.
(…)
Sich richtig ernähren, sich nicht gehenlassen, aktiv und neugierig bleiben - Eigeninitiative gehört schon auch zum „Anti-Aging“. Und die richtige Einstellung: wie für die Wechseljahre der Frauen gilt auch für das Klimakterium virile, dass es nicht der Anfang vom Ende ist, sondern Übergang und Chance zum Neuanfang.
(erschienen bei FAZ.NET)
ERNÄHRUNG
Nüsse für die Birne
Sie wollen abnehmen? Dann müssen Sie mehr denken. Denn das Gehirn verbraucht die meiste Energie: von den etwa 1500 Kilokalorien Grundumsatz des Menschen beansprucht es 20 bis 25 Prozent für sich.
Aufnehmen, Verarbeiten, Grübeln - dazu dienen Kohlenhydrate als Brennstoff. Für die Konzentrationsfähigkeit sind Eiweiße (Proteine) nötig.
Der Stoffwechsel des Menschen ist am aktivsten zwischen sechs und neun Uhr morgens. Vorausgesetzt, man ist kein Frühstücksmuffel - und es gibt nun mal Leute, die morgens nichts essen können, allen goldenen Ernährungsregeln zum Trotz - sollte man ins Frühstück Hochwertiges packen: Käse, Milch, Getreide (Müsli); damit gibt man sich die gehirnaktivierenden Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin. Dazu eine Banane ins Müsli oder einen Apfel - dadurch kombiniert man diese Aminosäuren mit komplexen Kohlenhydraten. Das nötige Fett (auch das braucht der gesunde Körper für einen gesunden Geist) holt sich der kluge Kopf aus Weizenkeimen oder Hanfsamen – garantiert rauschmittelfrei, dafür sehr lecker. Die Muffel tun wenigstens viel Frischmilch in den (Riesenpott) Kaffee, trinken sie noch besser pur und essen eine Banane dazu, die geht doch immer.
Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die morgens mit einem eiweiß- und vitalstoffreichen Frühstück den Tag beginnen, zwischen neun und zwölf Uhr weniger Fehler machen als die mit dem ewigen Marmeladenbrötchen. Die Verkehrsunfallkurve steigt gegen elf Uhr besonders an. Mangels (gescheitem) Frühstück fehlt die Konzentration, auch und gerade am Steuer.
Nachteulen haben´s in unserer Frühaufsteher-Gesellschaft schwer: Sie kommen nicht aus dem Bett; entsprechend eng ist´s morgens. Von Frühstück keine Rede. Was tun, wenn dann „der kleine Hunger“ kommt? Schnell ein kleines Frühstückchen - aber nicht aus Zucker, Glukosesirup, Mehl und Aroma, sondern besser Natur pur: Nüsse zum Beispiel. Eine kleine Handvoll genügt - Walnüsse, Mandeln, Erdnüsse (die in der Schale), Cashewkerne undsoweiter. Das gute alte Studentenfutter zum Beispiel - hält nicht nur länger satt, sondern ist auch viel besser fürs Köpfchen als pappsüße Riegel, Schnitten und Waffeln. Nüsse enthalten Vitamin E, das unser Hirn vor Verkalkung schützt. Über die B-Vitamine freuen sich die Nervenzellen. Nüsse sind damit ideale "Grundnahrungsmittel" des Gehirns. Die Energie zum Denken nimmt die Birne aber nicht aus Nüssen, sondern aus kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln wie Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Obst. Wieder ein Punkt fürs Studentenfutter: da sind ja auch Rosinen drin. (Falls Sie kein Student mehr sind – und auch, wenn doch –, achten Sie auf das etwas teurere, dafür qualitativ bessere Studentenfutter mit ungeschwefelten Rosinen. Sonst kriegen Sie womöglich Kopfweh statt Geistesblitze.)
Die Fitness im Kopf hängt außerdem von genügend Flüssigkeit ab. Umgekehrt können Kopfschmerzen ein Zeichen sein, dass man viel zu wenig getrunken hat. Last not least: Das Hirn braucht Sauerstoff. Also den Hintern hoch und raus an die Luft.
Wie man sieht, braucht´s zur reibungslosen Kopfarbeit nichts als die sattsam bekannte gesunde Lebensweise mit der richtigen Ernährung und genügend Bewegung. Natürlich wird, wer in Mathe nicht mitkommt, auch nach einem Sack Nüsse nicht plötzlich zum Einstein. Die speziellen biochemischen und biophysikalischen Prozesse, die die einzelnen Nahrungsbestandteile im Gehirn auslösen, sind hoch kompliziert und noch nicht vollständig erforscht. Schnelle Rezepte unter der Überschrift „Brain Food“, die mehr Intelligenz durch das richtige Essen versprechen, sind jedenfalls Schmarrn. (…)
(erschienen bei FAZ.NET)
MEDIZIN
Winnetous Heilwissen
Karl May in allen Ehren - aber was wirklich hinter den Riten und Tänzen indianischer Medizinmänner und Schamanen steckte, darüber lesen wir in seinen Werken nichts.
Dabei verfügten die über 2000 Stämme, die es in Nordamerika vor der Eroberung des Kontinents durch die Europäer gab, über ein jahrhundertealtes, umfangreiches Heilwissen. „Heute weiß man“, schreibt der Apotheker Joachim Exner, „dass die Indianer auf dem Höhepunkt ihrer medizinischen Kultur damals eine Lebenserwartung von mehr als hundert Jahren hatten.“
Das Wissen, das hinter einer so hohen Lebenserwartung steckt, wurde von den Eroberern aus der Neuen Welt verlacht oder erst viel später „entdeckt“ und praktiziert; heute interessiert man sich von Neuem dafür im Bewusstsein, dass schulmedizinische Gerätemedizin nicht alles sein kann.
Die regelmäßige Körperreinigung zum Beispiel - im Wissen darüber, dass die Haut ein ebenso wichtiges Organ sei wie die im Inneren des Körpers liegenden - war bei den Indianerstämmen zu einer Zeit selbstverständlich, als die weißen Kolonialisten aus Übersee diese Reinlichkeit noch als „Waschzwang“ abtaten. Die sesshaften Indianervölker besaßen außerdem pro Großfamilie ein Schwitzbad - in Art und Nutzungsweise ganz ähnlich der finnischen Sauna. Auch der Sauberkeit ihrer Zähne widmeten die Indianer viel Aufmerksamkeit: Mehrmals pro Tag benutzten sie dazu zerfranste Pflanzenwurzeln, Tonerde, Pflanzenasche und spülten mit Kräuterauszügen. „Schon den Chronisten der spanischen Eroberer“, schreibt Heinz J. Stammel in seinem Buch „Die Apotheke Manitous“ (Rowohlt TB 2000), „war der für sie ungewöhnlich gesunde Zustand der Zähne der Indianer aufgefallen.“ Zu diesen gepflegten Zähnen trug wesentlich das Kaugummikauen bei. „Die nordamerikanischen Indianer sind die Erfinder des Kaugummis“, lesen wir bei Stammel. Sie verwendeten das Harz der Zuckerkiefer oder der Balsamtanne, den pastenartigen Saft aus Schilfrohr oder die gummiartige Substanz aus Stengel-Schwellungen des Skelettkrauts. Solcher Naturkaugummi löste sich nur langsam im Speichel auf, hatte einen frischen Geschmack und enthielt zahlreiche wirksame Stoffe, so dass sie „erfrischend, speichelanregend, vitaminreich, keimtötend und nahrhaft zugleich“ waren.
Zur Lebensweise der Indianer gehörte auch regelmäßiges Fasten. Sie verbanden damit die Vorstellung der geistigen, seelischen und körperlichen Reinigung und Läuterung. Die indianische Nahrung bestand aus einer Mischkost: Rohkost, Gekochtes und Gebratenes. „Sie können den Geschmack von Salz oder Gewürzen nicht ertragen“, zitiert Stammel einen zeitgenössischen Buchautor, „und wundern sich, dass wir es trotz unserer Weine, unserer Speisewürzung und unserer übermäßigen sexuellen Gewohnheiten fertigbringen, dreißig Jahre alt zu werden.“ Über die Erscheinung der Ureinwohner Amerikas staunte der Berichterstatter: „Nur sehr selten ist unter ihnen jemand zu finden, der lahm, bucklig, einäugig, blind oder taub ist. Ihre Augen sind groß und schwarz wie ihre Haare, ihre Zähne sind weiß wie Elfenbein, und der Atem, der aus ihrem Munde kommt, ist rein wie die Luft, die sie einatmen.“
Für die Indianer ist der Mensch ein Teil der Schöpfung (und nicht etwa ihre „Krone“), ein Teil der Welt um ihn herum, in der Alles mit Allem verbunden ist. Deshalb ist nicht nur sein eigenes Gleichgewicht aus dem Lot, wenn er krank wird. Der Medizinmann wollte daher nicht nur dem Einzelnen helfen, sondern hatte immer auch das Gleichgewicht des großen Ganzen im Sinn. Die angeblich „Primitiven“ haben offenbar schon lange vor uns „Zivilisierten“ gewusst, dass der Mensch ohne Rücksichtnahme auf seine Umwelt keine Chance hat.
„Heute erkennen wir wieder den Zusammenhang zwischen unserem Selbstverständnis - also der Frage, wozu sind wir auf der Welt - und Krankheiten, die entstehen, wenn wir an uns zweifeln. Der Zweifel an der eigenen Rolle im Leben verursacht ein Ungleichgewicht“, schrieb der Arzt Thomas Grethlein in seinem Buch „Die Heilkunst der Indianer“ (Pattloch-Verlag). „Ein indianischer Medizinmann, dem es um die Balance in uns und der damit zusammenhängenden des großen Ganzen geht, hätte beispielsweise einem gestressten Raucher, der sich auch um seine Ernährung nicht schert, nicht viel zu bieten. Denn der kümmert sich ja von vornherein nicht um das nötige Gleichgewicht, wenn er täglich gegen die großen Gesetze der Natur verstößt.“
(erschienen bei FAZ.NET)
